Impfung

Nun begreife ich es: Ich brauche sie nicht, um glücklich zu sein – habe sie nie gebraucht.

Während ich im Antlitz des Restsonnenlichts von meinem kurzen Ausflug in die Grazer Innenstadt zur Haltestelle spaziere, erkenne ich, dass es das ist: Leben. Allmählich werden die Stimmen leiser, bis ich sie kaum noch hören kann.

Wie lange habe ich auf diesen Augenblick gewartet? Wie sehr hatte ich die Hoffnung bereits aufgegeben, dass ich ohne ihren Einfluss jemals glücklich sein könnte? Endlich habe ich es erkannt: Glücksempfinden beginnt in erster Linie mit der Entscheidung, glücklich zu sein – hier und jetzt! Doch da ist noch etwas anderes…

Während ich in der Bim sitze, schaue ich um mich herum, sehe lächelnde, entspannt wirkende Menschen. Ich erkenne – wieder einmal –, wie sehr ich sie doch schätze. Ich vergegenwärtige mir, wie froh ich doch sein kann, mein Sein mit ihnen teilen und mit ihnen gemeinsam lachen sowie auch weinen zu dürfen. Am Ende, so erkenne ich letztendlich auch, ist die Verbindung zu anderen Menschen das Einzige, was wirklich zählt.

Ja meine Freunde, nun scheine ich sie tatsächlich gefunden zu haben: die langersehnte Impfung – gegen Eitelkeit, gegen Nihilismus, gegen Sucht: Sie heißt Gemeinschaft. Ich bin ein Teil des Ganzen.

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