Toleranz
Was toleriere ich an meinem Verhalten – meinem Selbst –, das in meinem Leben nicht funktioniert? Oder: Welche meiner täglichen Verhaltensweisen, die sich negativ auf den Verlauf meines Lebens auswirken, bin ich nicht gewillt zu verändern? Diese Fragen habe ich mir vor über vier Jahren gestellt. Mit ihrer Beantwortung habe ich meine Transformation eingeleitet.
Ich befand mich damals an einem dunklen Ort: Es war Winter und der vierte(?) Lockdown hatte gerade begonnen. Ich war bereits seit fünf Jahren auf Arbeitssuche – arbeitslos. Den Kontakt zu meinen Freunden pflegte ich nach wie vor regelmäßig, sah keinen Grund – hatte kein Warum –, etwas an der Situation zu verändern. Und dann hörte ich plötzlich sie – eine Stimme: „Warum tust du das?“, fragte sie mich immer wieder.
Bald schon wurde sie unerträglich laut, vor allem, wenn ich mich in Gegenwart meiner Freunde befand – mich in ihrem Bann einzuziehen begann und müde auf der Couch lag. Plötzlich erkannte ich es: Ich hatte keinen legitimen Grund, so weiterzuleben – keine Ausreden. Meine Geschichte war, so sehr ich mir auch etwas anderes einzureden versuchte, nur das: eine Geschichte, ein Narrativ.
Nach dieser Erkenntnis begann ich, die Arbeit an mir selbst – meinem Selbst – zu machen. Von meiner beruflichen Situation über die Ordnung in meiner Wohnung bis hin zu meiner körperlichen und geistigen Fitness brachte ich alle nicht funktionierenden Lebensbereiche nach und nach auf ein zumindest annehmbares Niveau, sodass sie mich letztendlich nicht mehr an meinem Sein hinderten. Der Schlitten begann wieder, in seiner rechten Bahn zu rodeln.
Auch heute – fast vier Jahre später – höre ich die Stimmen meiner Freunde ab und zu noch. Doch gebe ich diesen Lauten keine Bedeutung mehr – tue nicht mehr, was sie mir sagen. Stattdessen lausche ich jetzt ihr, einer anderen Stimme – jener, die meine Transformation eingeleitet hat: Inspiration. „Gut gemacht!“, sagt sie mir am Ende jedes gelebten Tages.
Transformation: Alles begann mit der Frage nach der Toleranz.
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