Bewegung

Bewegung

Ich bin zwar erst in meinem 35. Lebensjahr, trotzdem fühle ich sie schon: Müdigkeit. Das Leben ist anstrengend. Nun verstehe ich ältere Menschen erstmalig, die sagen, sie würden sich nicht mehr in ihre Jugend zurückwünschen; die sagen, sie seien zufrieden mit dem Verlauf ihrer Reise. Zufrieden bin ich jedoch noch nicht …

Alles wiederholt sich; wieder einmal bemerke ich auch sie – ihn. Als ich an die aufkommenden Likes auf meinen Social-Media-Plattformen zu denken beginne, frage ich mich erneut: Tue ich es wirklich um des Tuns willen und letztendlich für meine Gemeinschaft, oder will ich – immer noch – etwas maskieren? Gebe ich etwa vor, jemand zu sein, der ich nicht bin? Hmm.

Dann gestehe ich es mir ein: Ich bin kein außergewöhnlicher Athlet wie David Goggins, werde auch niemals solche Gewichte wie Ronnie Coleman bewegen und schon gar nicht werde ich jemals der Governor von Kalifornien sein. Und es ist okay! Ich brauche es niemandem mehr zu beweisen – außer mir selbst! Tschüss Eitelkeit, ade Ehrgeiz.

Erneut erkenne ich auch, wie ich doch als Mensch gestrickt bin: Ich muss es einfach tun. Ich muss mir so manche Realitäten trotz genügend Warnzeichen oder gut gemeinten Ratschlägen selber beibringen – mich ab und an verirren. Dann weiß ich es zumindest – habe die Erfahrung gelebt. Und einzig aus dieser kann wirkliches Wissen geschöpft werden; alles andere bleibt nur gelernte Theorie. Immer öfter sehe ich am Ende der Reise dann, dass es der richtige Irrweg gewesen ist, dass es doch eigentlich keine falschen Wege gibt; dass der Prozess immer das Resultat ist.

Zum Schluss erinnere ich mich noch, was Leben tatsächlich heißt: Sich gegen Widerstände zu bewegen, sie zu überwinden – wieder und wieder. Wir sind keine Steine, können daher der Schwerkraft trotzen und ab und an auch in eine andere Richtung als die gewohnte gehen, auch wenn wir es nicht immer fühlen. Ultimativ ist Sein wiederholtes Tun; Denken alleine ist zu wenig.

Und während des steilsten Stückes bergauf kurz vor meinem heutigen Ziel realisiere ich schließlich, dass es doch nur darum geht: den nächsten Schritt zu setzen, und dann den nächsten und wieder den nächsten. Erst im Rückblick offenbart sich dann meistens, was wir zustande gebracht haben. Sein, Leben oder Tun: Alles spielt sich in zeitlich aufeinanderfolgenden Augenblicken, in Momenten ab. Meine Aufgabe ist es, es in Bewegung zu halten, Schritt für Schritt und Meter für Meter – das Leben.

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