Selbst

Selbst

Nach dem Hoch kommt das Tief. Mein Körper ist müde, ich fühle mich geschlaucht. Das ist es jedoch nicht, das mich fühlen lässt, was ich momentan fühle: Enttäuschung. Denn ich habe die Marathondistanz trotz einer über sechs Stunden dauernden Laufeinheit letztendlich nicht bewältigt. Zu viele Höhenmeter waren es, zu müde waren die Beine …

Ich weiß nicht recht, wie ich fühlen soll. Was ist der Sinn einer so langen Laufeinheit, wenn ich ein paar Kilometer vor Marathondistanz abbreche? Hmm …

Was ist überhaupt der Sinn einer Marathondistanz? Ist sie nicht rein zufällig festgelegt worden, als der Überbringer einer Nachricht in Athen diese Strecke lief und kurz darauf starb? Hmm …

Dann klickt es: Das Resultat des heutigen Laufes war – wieder einmal – der Prozess. Allem voran hat dieser mir die Wahrheit von Friedrich Nietzsches weltbekanntem Zitat:

Hat man sein Warum? des Lebens, so verträgt man sich fast mit jedem Wie.

deutlich vor Augen geführt. Oder wie ich es formuliere: Ist das Warum eines Menschen stark genug, so wird jedes Wie verhandelbar.

Heute habe ich, mehr als irgendetwas, mein Warum erkannt: mein Selbst. Und dieses Selbst verlangt etwas von mir. Ich tue, was ich tue, weil ich es meinem Selbst versprochen habe. Damit bin ich.

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